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WEINLESE 2004

ENDLICH HERRSCHT DAS GLEICHGEWICHT WIEDER!

21. WEINLESE VON MAURO SIRRI

Liebe Freunde,

2002 war eins der regnerischsten und kältesten Jahrgänge seit Menschengedenken, welcher die Produktion quantitativ und einigermaßen auch qualitativ beeinträchtigte. 2003 hingegen schenkte uns viel Sonne und eine erinnerungswürdige Dürre, welche sowohl die Weinberge als auch die Menschen auf eine harte Probe stellte.

Nach einigen, wettermäßig Extremjahren herrscht nun endlich das Gleichgewicht wieder! Wettermäßig und agronomisch kann 2004 tatsächlich als der ideale Jahrgang betrachtet werden. Die Winterregen und einige Schneefälle haben zur Anreicherung des Grundwassers beigetragen; außerdem gab es im Frühjahr keinen Frost und dies hat zur kompletten Auskeimung der Reben geführt. In den Monaten Mai und Juni ging die vegetative Entwicklung mit einigen Regenschauern einher, welche die Vollendung der Auskeimung, die Blüte und die darauf folgende Fruchtansetzung gefördert haben.

Die Sommermonate Juli und August waren warm und sonnig, wie es sich gehört, ohne dabei die 32 – 33° C zu überschreiten. Somit wurde die optimale Temperatur für die Photosynthese erreicht: grundlegende Bedingung für die Entwicklung und die Reife der Weintrauben. September und Oktober verzeichneten ideale Temperaturschwankungen und so gut wie keine Regenschauer. Könnte man sich was Schöneres im Leben wünschen? Damit sind bereits alle Wünsche eines Winzers erfüllt worden! Die Rotweine SANGIOVESE, CABERNET SAUVIGNON und CAGNINA sind farbig stark und lebendig; die Frucht kommt zum besten Ausdruck hervor und die Struktur zeichnet sich als bedeutend aus. Die Weißweine TREBBIANO, PAGADEBIT und CHARDONNAY Jahrgang 2004 weisen einen guten Zuckergehalt und eine feine Struktur auf; dank ihrer würzigen Eigenschaften wirken sie anregend, frisch und die Frucht kommt dabei deutlich zum Ausdruck. Nach einigen Jahren großer Euphorie, von der ich jedoch immer strikten Abstand genommen habe, steht die Weinwelt scheinbar nun mal wieder mit beiden Beinen auf der Erde. Manche machen sich Sorgen für die wirtschaftliche Lage, für den (T)Euro und so weiter und so fort.

Ich bin allerdings fest davon überzeugt, dass diejenigen, die sich Sorgen machen müssen, sind Hersteller, Vinothek-Besitzer, Weinvertreiber oder Gelegenheitsbetreiber von Wine-Bars, die sich in die Weinwelt katapultiert haben, in der Annahme darin ein Eldorado entdeckt zu haben. Der Wein gehört nicht der NEW ECONOMY an, sondern der VERY OLD ECONOMY, mit seiner mindestens dreitausendjährigen Geschichte.

Wein herzustellen ist nicht jedermanns Sache: Nicht zufällig wird die Weinlese nur einmal im Jahr gehalten! Ich bin nun 43 Jahre alt, mittlerweile habe ich 20 Weinlesen erlebt und jedes Jahr gibt es etwas Neues: etwas Unbegreifliches. Ich hoffe noch mindestens 30 davon erleben zu dürfen, aber, sei es auch die allerletzte Weinlese meines Lebens, werde ich nie die erforderliche Erfahrung dabei gesammelt haben, um diese bis zum Äußersten zu begreifen. Deswegen lassen mich die jeweiligen Marktschwankungen kalt. Allerdings, bei einem kann ich mich alljährlich wundern und bewegen: Beim Anblick der Natur, die ihre Riten – jahraus jahrein – magisch wiederholt.

Mauro Sirri